Tina Blau (1845, Wien–1916, Wien) war eine Pionierin der Freilichtmalerei in Österreich. Zu Lebzeiten sehr erfolgreich, auf internationalen Ausstellungen vertreten und mit Preisen ausgezeichnet, ist sie heute außerhalb ihrer Heimat nahezu unbekannt. Das Kunstmuseum Ahlen zeigt in Kooperation mit dem Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern erstmals eine museale Ausstellung dieser außergewöhnlichen Malerin in Deutschland. Mit rund 40 Leihgaben aus den großen Wiener Museen sowie aus weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen ermöglicht die Schau einen Einblick in die künstlerische Entwicklung von Tina Blau zwischen 1862 und 1916.

Tina Blau, An der Donau bei Szobb,1874, Öl auf Holz, Museum Ortner, Wien
Als Tochter in eine bürgerliche jüdische Familie geboren, wird ihr Interesse an Kunst und Malerei früh gefördert. Von einem Studium an einer staatlichen Akademie sind Frauen damals ausgeschlossen. Tina Blau sucht sich selbständig interessante Lehrer und geht auf Reisen, um sich umfassend weiterzubilden.
Zeitgleich mit den französischen Impressionisten arbeitet die junge Malerin konsequent im Freien, direkt vor dem Motiv. Ihre Gemälde sind durch einen sensiblen Umgang mit Licht und Atmosphäre aber auch durch einen auffallend realistischen Blick auf die Umbrüche der eigenen Zeit geprägt. Dies macht sie zu einer prägenden Protagonistin der Wiener Moderne.
Ihr Atelier im Wiener Prater wird ihr wichtigster Arbeitsplatz. Von hier aus zieht sie zu jeder Jahreszeit in die weitläufige Praterlandschaft, um zu malen. Reisen durch ganz Europa und bis in den Nahen Osten erweitern das Spektrum ihrer Motive, das südliche Licht Italiens führt zu einer Aufhellung ihrer Palette.

Tina Blau, Krieau im Prater, 1902, Öl auf Leinwand, Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll
Tina Blau war nicht nur eine fantastische Malerin, sie setzte sich auch für eine Professionalisierung der künstlerischen Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen ein. In München unterrichtete sie von 1887 bis 1894 an der renommierten Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins, anschließend leitete sie in Wien eine Klasse für Landschaftsmalerei und Stillleben und inspirierte junge Malerinnen. Zu ihren Münchner Schülerinnen gehörte die aus Westfalen stammende Ida Gerhardi (Hagen 1862 –1927 Lüdenscheid). Zeitgleich studierte dort auch die junge Käthe Schmidt, spätere Kollwitz (Königsberg 1867–1945 Moritzburg).
Die luftig-lichtvollen Gemälde von Tina Blau treten im Kunstmuseum Ahlen in einen spannenden Dialog mit gegenstandslosen, leuchtfarbigen Arbeiten von Rosa M Hessling, die sich von der Flusslandschaft an der Mosel inspirieren lässt. Die Auseinandersetzung mit der Natur und das Interesse an der besonderen Qualität des Lichts verbindet die beiden ansonsten ganz unterschiedlichen Malerinnen über die Jahrhunderte hinweg.
Das Ausstellungsprojekt ist in Zusammenarbeit mit dem Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern entstanden. Leihgeber sind u.a. die Österreichische Galerie Belvedere, das Leopold Museum, das Wien Museum, das Lenbachhaus in München und viele weitere öffentliche und private Sammlungen. Ein Katalog mit Essays zu Leben und Werk von Tina Blau erscheint im Deutschen Kunstverlag.
Die Ausstellung ist vom 12.07.2026 – 01.11.2026 zu sehen.
Die Eröffnung findet am 11.07.2026 um 16.00 Uhr statt. Der Eintritt hier ist frei.